Studienfahrt nach Polen
Manche Begegnungen entstehen aus langer Tradition – andere aus der Fähigkeit, neue Wege zu finden, wenn Gewohntes einmal nicht möglich ist.
Der Schüleraustausch mit unserer Partnerschule in Rabka-Zdrój konnte in diesem Jahr leider nicht stattfinden. Dennoch sollte die Auseinandersetzung mit Polen, seiner Kultur und seiner Geschichte für unsere Schüler:innen nicht ausfallen. Als Alternative wurde daher eine Studienfahrt nach Kraków angeboten, die von den Lehrkräften Dominic Danielewicz, Julia Sieben und Vebi Bajramov organisiert wurde. Trotz der kurzfristigen Umstellung war die Nachfrage unter den Schüler:innen groß – insgesamt nahmen 12 Schüler:innen aus dem 9. Jahrgang sowie 8 Schüler:innen der EF teil – ein deutliches Zeichen dafür, wie groß das Interesse an Begegnung, Austausch und historischer Bildung ist.
In Krakau erwartete die Gruppe eine Stadt, deren Geschichte sich in ihren Straßen, Plätzen und Gebäuden widerspiegelt. Bei einer gemeinsamen Stadtführung erkundeten die Schüler:innen die historische Altstadt mit ihrem beeindruckenden Marktplatz, den Tuchhallen und zahlreichen Bauwerken, die von der langen kulturellen und politischen Bedeutung der Stadt zeugen. Krakau ist ein Ort, an dem sich über Jahrhunderte hinweg verschiedene Kulturen begegnet sind – und an dem Geschichte in vielen Facetten sichtbar wird.
Der eindrücklichste Teil der Studienfahrt war jedoch der Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau Memorial and Museum. Das ehemalige Konzentrations- und Vernichtungslager steht heute als Mahnmal für die Verbrechen des Nationalsozialismus. Während der Führung durch das Gelände wurde Geschichte auf beklemmende Weise greifbar: das Gehen entlang der Gleise, das Betreten der Baracken und das Sehen persönlicher Gegenstände der Opfer machten deutlich, welches unfassbare Leid sich an diesem Ort abgespielt hat.
Für die Schüler:innen unserer Schule hatte dieser Besuch eine besondere Bedeutung. Unsere Schule trägt den Namen Betty Reis – eines jüdischen Mädchens aus Wassenberg, das von den Nationalsozialisten verfolgt wurde und der Shoa zum Opfer fiel. Ihr Name ist fest in der Identität unserer Schule verwurzelt und steht stellvertretend für unzählige Menschen, deren Leben durch die nationalsozialistische Verfolgung und Vernichtung ausgelöscht wurde.
So verband sich der Besuch der Gedenkstätte mit einer sehr persönlichen Dimension des Erinnerns. Viele Schüler:innen erlebten diesen Ort nicht nur als historischen Lernort, sondern auch als Anlass zum Innehalten und Nachdenken über Verantwortung, über Erinnerung und über die Bedeutung von Menschlichkeit und Zivilcourage in der Gegenwart. Gerade in Anbetracht der aktuellen politischen Lage in der Welt wurde deutlich, wie wichtig es ist, sich aktiv für Frieden, gegenseitigen Respekt und Verständigung zwischen Menschen und Nationen einzusetzen – und dass Erinnerung an die Vergangenheit ein Fundament für eine gerechtere und friedliche Zukunft bildet.
Die Studienfahrt nach Krakau wurde so zu mehr als nur einer Reise. Sie verband kulturelle Eindrücke mit historischer Bildung und zeigte eindrucksvoll, wie wichtig es ist, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Gerade vor dem Hintergrund des Namens unserer Schule bleibt diese Erfahrung ein Auftrag: Erinnerung lebendig zu halten und sich aktiv für ein respektvolles, friedliches Miteinander einzusetzen.
Wir danken an dieser Stelle besonders der Schulkonferenz für ihre positive Abstimmung zugunsten der alternativen Studienfahrt, dem Förderverein unserer Schule sowie der Sanddorf-Stiftung für ihre großzügige Unterstützung, die diese Studienfahrt erst ermöglicht hat.


